Feuilleton 1

Die Geschichte des Salons und der Salonières, die unser Zeitgeschehen noch heute prägen, inspirierten mich und somit auch jene Intention, die DER SALON verfolgt. Der SALON soll ernsthafte Begegnungen abseits üblicher gesellschaftlicher Konventionen und politischer Zugehörigkeit in einem privaten Rahmen ermöglichen, er soll Menschen verbinden, während er diese durch sein Format zu einem inhaltlichen Diskurs einlädt. Der Diskurs im DER SALON beschäftigt sich mit Problemstellungen unserer Zeit und ist auf die Neugestaltung einer ethischen und sozial ausgeglichenen Gesellschaftsordnung ausgerichtet.

Das Individuum als moralischer Träger von Rechten, Verantwortungen und Pflichten

Wir leben heute in einer Welt der Globalisierung, die das Individuum – aus dem vermeintlichen Gebot der Transparenz – zu einem gläsernen in seiner Privatsphäre bedrohten Menschen macht. Das Individuum als moralischer Träger von Rechten, Verantwortungen und Pflichten wird zu einem Teil einer sich nicht verantwortlich fühlenden Masse, zu einem Bestandteil einer Matrix, zu einem anonymisierten und kontrollierbaren Teil eines Systems elektronischer Daten. Die Maxime des Wettbewerbs, schneller, effizienter und billiger zu sein, trägt des Weiteren zur Entfremdung des Individuums, zur Entfremdung in Beziehungen und somit auch dazu bei, dass wir uns nicht mehr füreinander verantwortlich fühlen. Die elektronischen Kommunikationsmittel, die den persönlichen Kontakt entbehrlicher zu machen scheinen und die täglichen Anforderungen an unser Arbeitspensum effizienter zu gestalten drohen, tragen ebenfalls dazu bei, diese gläserne Datenmenge täglich zu nähren. Wir haben zwar heute leichteren und schnelleren Zugang zu Information und Wissen; politische Bewegungen finden ihren schnellen Weg über den Globus durch social networks und tragen dazu bei, dass sich in kurzer Zeit, eine breite Masse gegen totalitäre Systeme auflehnen und diese auch stürzen kann. Doch aus dem Gesetz der Polarität heraus kann diese Möglichkeit der Vernetzung auch Missbrauch von Informationen bedeuten. In der Welt, in der wir leben, ist eingebettet sohin eine neue, zweite Welt entstanden, eine Welt der Daten und Programme, eine Cyberwelt, die möglicherweise schon heute unsere Realität bestimmt?

Was ist also unsere Realität? Das, was wir jeden Tag physisch erleben? Oder ist unsere Realität, das, was in Computerprogrammen und Datensätzen gespeichert ist? Existiert ein Mensch nicht, wenn seine Datensätze nicht aufgefunden werden, z.b. wenn er in einem Versicherungsdatensystem als Datensatz nicht mehr aufscheint? Wer ist dafür verantwortlich zu machen, wer korrigiert solche Fehler im System?

DER SALON stellt kritische Fragen …

Wie werden die künftig immer knapper werdenden Ressourcen verteilt, wie gehen wir mit unseren Ressourcen als Individuum und Kollektiv um, wer wird für die Verteilung dieser Ressourcen verantwortlich sein, wann werden alternative und freie Energiesysteme den Rohstoffhandel ablösen, wie lange wird es noch zeitgemäß und ethisch sein, Bedarfsmittel des täglichen Lebens, wie Nahrungs-, natürliche Arzneimittel, Strom, Rohstoffe u.a. an der Börse zu handeln? Wann wird Verteilungsgerechtigkeit zu einem ernsthaften Thema werden, warum gibt es mehr Kriege als je zuvor, Fragen über Fragen, auf die wir noch immer keine Antworten gefunden haben.

„Warum es ums Ganze geht“…

Hans Peter Dürr zitiert in seinem Buch „Warum es ums Ganze geht“ zur Frage der Verantwortlichkeit des zweiten Weltkrieges die deutsch-jüdische Philosophin Hannah Arendt:

„Die persönliche Schuld, die uns als Mitglied einer Gesellschaft an deren Vergehen trifft, ist im allgemeinen viel kleiner als die Schuld, die uns Außenstehende hinterher zumessen. Unsere persönliche Schuld ist andererseits viel größer als die Schuld, die wir uns selbst eingestehen“

Damit leitet er einen Dialog ein, der sich damit beschäftigt, weshalb wir für unsere Welt, in der wir leben, Verantwortung übernehmen müssen.

DER SALON als ein Ort des ernsthaften Gesprächs will sich dieser Verantwortung durch systemkritische Fragestellungen annehmen, Raum für dieses neue Bewusstsein schaffen sowie den Versuch unternehmen, praxisbezogene Antworten zur Gestaltung einer zukunftsorientierten, ökologischen und sich auf ethischen Grundsätzen stützenden Weltauffassung finden.

Salonzyklus „Welt im Wandel“ …

Zu diesen Themen rufen wir gemeinsam mit Technokontakte (www.technokontakte.at) im November 2013 den Salonzyklus „Welt im Wandel“ ins Leben. Hans Peter Dürr, Schüler von Werner Heisenberg, Mitbegründer der Quantenmechanik, Nobelpreisträger für Physik und bedeutendster Querdenker unserer Zeit und Impulsgeber der internationalen Umwelt- und Friedensbewegung, wird den Zyklus „Welt im Wandel“ mit uns gemeinsam einleiten.

Wir freuen uns auf einen spannenden Herbst und wünschen allen Habitués einen erholsamen und inspirierenden Sommer.

Sylvia Freygner und das Team DER SALON