Der Salon

Die Geschichte des Salons | Gedanken im Salon | Portraits bedeutender Salonières

Der Salon ist ein Ort des geistigen Austausches. Ein neutraler Raum, der ein Zeichen für ein neues Bewusstsein in unserem System setzt und Brücken zwischen Tradition und Moderne baut. Monatlich lädt die Salonière – Sylvia Freygner – in Anlehnung an die Wiener Salontradition ausgewählte Persönlichkeiten internationalen Ranges aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Kultur ein. Im geschlossenen Kreise werden wirtschafts- und gesellschaftspolitische Themen kritisch aufgeworfen, Zyklen des Wandels hinterfragt und Ideen zur Formung eines fortschrittlichen Systems diskutiert.

Die historische Prägung des Salons …

Der Salon als Katalysator …

Salons waren Katalysatoren für den Übergang von schichtenspezifischer zu funktionaler Gesellschaftsdifferenzierung. Im Salon verlor der Geburtsadel, indem er sich mit dem Geistesadel mischte, seine herausragende Stellung, wobei mit der französischen Revolution die Salons in ihrem Aspekt als Pendant zur höfischen Kultur überflüssig wurden.

Der Salon als Ort französischer Aufklärung …

Salons waren eine Schnittstelle für die Umverteilung von Wissen. Hier wurde die große französische Enzyklopädie vorformuliert, denn Diderot und d´Alembert, die Herausgeber dieser Enzyklopädie waren selbst eifrige Salongänger. Der Salon hatte gleichzeitig als Umschlagplatz für Informationen und Ideen, als strukturiertes Forum eines mit entsprechender Förmlichkeit durchgeführten, angemessenen Diskurses und als Treffpunkt großer Geister zu fungieren. Diskutiert wurden großen Themen der Zeit der (französischen) Aufklärung, so die Frage der Selbstbestimmung des Menschen, die Problematik von Körper und Seele, der Gegensatz von Determinismus und Freiheit oder der Kritik an der Religion.

Der Salon als Ort der Erneuerung zwischenmenschlicher Verbindungen …

In der Regelmäßigkeit der Salons fand eine Erneuerung zwischenmenschlicher Verbindungen und Verbindlichkeiten menschlicher Kommunikation statt (Salonstruktur). Im Entwickeln und Erproben von Konversationsformen fand die salonäre Runde eine den Geist und Verstand angenehm anregende Unterhaltung, wobei z.B. die Préziösen spracherneuernd wirkten und mit dieser Veränderung gleichzeitig die Umgangsformen reformierten.

Der Salon als Ort der Erschaffung von Kunst und Kommunikation …

In den Salons herrschte eine Kunstauffassung, die neben der Erschaffung von Werken Einzelner auch den kulturverändernden Umgang eines Gruppenzusammenhanges erkannte. In der Runde der vielen Salons und nicht in der Einsamkeit des Schreibtischs (cabinet) gediehen die subtile Antwort oder die originelle Pointe, nicht ohne gestaltende Choreografie.

Gesellige Gesprächsspiele (Konversationsspiele) lenkten das Ritual der Unterhaltung wie das Ballett das Ritual der Bewegung. Die ständigen Diskussionen über vielfältige Themen veränderten überkommene Auffassungen. Nicht nur hinterfragten die Aufklärungsphilosophen die Prämissen, auf denen das herrschende politische System ruhte, und verwarfen die Vorstellungen von einem von Gott geordneten Kosmos, sondern sie kritisierten, diskutierten und prüften alle anerkannten Voraussetzungen – bis auf den Status der Frau in der Gesellschaft.

Der Salon als Ort der Neudefinition von Geschlechterrollen …

In den Salons ergaben sich Neudefinitionen von Geschlechterrollen und neue kommunikative Umgangsformen und Spielregeln zwischen den Geschlechtern, weil im geschützten Raum des Salons Frauen und Männer ungezwungen, in ehrbarer Freiheit, miteinander umgehen konnten.

Der Salon als Domäne der Frau …

Der Salon war Domäne der Frauen, in der die Bildungsdifferenzen aufgelöst waren und Frauen sogar als diejenigen, die den Mann kultivierten und formten, galten. Die Verdienste der Salonièren bestanden auch in der Arbeit gegen eine neuerliche Befestigung des Ausschlusses von Frauen und die précieusen Salonièren nahmen für Frauen das Recht auf höchste Gelehrsamkeit in Anspruch. Die Salonièren waren zumeist Autodidaktinnen – die auch einen Bildungsauftrag empfanden und die es mit Genugtuung erfüllte, die soziale Form des Salons zu gestalten.

Schreibende Frauen hinterlassen Spuren in der Geschichte. Ein nicht geringer Reichtum ist die große Zahl der über die Mündlichkeit literarisch mündig gewordenen Frauen. Ihre Bedeutung lag darin, sich als Subjekt der Dichtung (Précieuses) zu verstehen, und sich nicht einseitig als Objekt fremder Ruhmesworte verewigen zu lassen, so dass Frauen die Möglichkeit hatten, in ununterbrochenen Gedanken und Äußerungen aufeinander Bezug zu nehmen, um so ein historisches, weiblich begründetes Bewusstsein zu schaffen.

Der Salon als Kommunikationsnetz …

Im 18. Jahrhundert machte der Salon aus einer müßig-vornehmen Form geselliger Zusammenkunft einen Ort ernsthafter Arbeit. Die Salonière war ein wesentliches Element im Kommunikationsnetz und brachte damit die positiven Aspekte der bislang diskreditierten und als speziell weiblich gehandelten Fähigkeiten des Mittelns (Kupplerin), des Spinnens (Gras wachsen hören), des Verrücktseins (Möglichkeiten eines außerordentlichen Perspektivwechsels), des Schwatzens und des Tratschens zur Geltung. Da die Zirkel der einzelnen Salons sich überschnitten oder identisch waren und zu den Habitués (Salonstruktur) viele ausländische Besucher gehörten (aus Russland, Schottland, Polen, England, Deutschland) entstand im Laufe von zwei Jahrhunderten europaweit ein internetähnliches kulturelles Netz.